Ich mag dich!

Manche Menschen sind uns auf Anhieb sympathisch. Andere können wir einfach nicht ausstehen. Psychologische Experimente zeigen, wie wir in Sekundenschnelle über Fremde urteilen und wovon wir uns dabei beeinflussen lassen.

Auf dem Bildschirm ist das Gesicht eines Mannes zu sehen. Er blickt direkt in die Kamera; sein Schädel vor dem schwarzen Hintergrund ist kahl. Ein Mausklick, und seine Züge beginnen sich zu wandeln: Sein Kopf wird schmaler, seine Haut bräunlicher, seine Augen werden größer. Sein Doppelkinn-Ansatz beginnt zu schwinden; seine Mundwinkel heben sich. Nach viereinhalb Sekunden ist die Metamorphose komplett. Das Antlitz, das dem Betrachter nun vom Display entgegenlächelt, ist überaus sympathisch: ein netter Kerl, mit dem man gerne mal ein Bier trinken gehen würde.

Doch jetzt verändert sich das Gesicht abermals; zunächst zurück zum Ausgangsbild, dann darüber hinaus: Der Schädel geht in die Breite, das Doppelkinn wächst, die kleinen Augen mit den immer verwaschener wirkenden Pupillen rücken näher aneinander. Sukzessive entsteht so die Visage einer Person, die wohl die wenigsten auf Anhieb mögen würden.

(erschienen auf Spektrum.de)