In Leidenschaft verbunden

Fans teilen ihre Passion am liebsten mit anderen. Denn wer Teil eines Fandoms ist, fühlt sich zugehörig, weniger allein – und lebt sogar gesünder

Der Raum wirkt, als würde hier gerade ein Film über das Leben der Oberschicht zu Zeiten von Königin Victoria gedreht: an den Wänden eine bordeaux­rote Tapete mit goldenen Blattornamenten. Auf dem Kaminsims zwei Öllampen; zwischen ­ihnen eine gerahmte Zeichnung, an der eine polierte Meerschaumpfeife lehnt. Direkt gegenüber ein lederbezogener Schaukelstuhl samt Holzbänkchen, der dazu einlädt, die Füße an der Glut zu wärmen.

Der Sekretär an der Wand zeugt von den naturwissenschaftlichen Interessen seines Besitzers: ein Mikroskop mit Messingtubus; auf der Ablage einige Chemikalienfläschchen nebst einer Waage und Fachliteratur. Eine weiße Büste, auf deren Kopf ein feines Linienmuster aufgezeichnet ist, outet den Eigentümer als Anhänger der Phrenologie – der Lehre, dass sich an der Form des Schädels Charakter und Geistesgaben ablesen lassen. Das alles in so sorgfältig arrangierter Unordnung, dass man meinen könnte, der Bewohner sei gerade erst zur Tür herausspaziert.

Doch die Person, zu deren Ehren das Zimmer eingerichtet wurde, hat nie gelebt: Das detailverliebte Still­leben ist eine Hommage an Sherlock Holmes. „Es ist die Nachbildung seines Wohnzimmers“, erklärt Silvia Glücklich, während sie ein Foto der Einrichtung zeigt. „Wir haben bei uns zu Hause einen ungenutzten Raum exakt so dekoriert, wie es im Sherlock-Holmes-Kanon beschrieben ist – nur für uns, als Liebhaberei.“ Der Kanon: So nennen Fans des Meisterdetektivs die 60 Geschichten aus der Feder Arthur Conan Doyles, welche die bis heute ungebrochene Popularität seines Helden begründeten.

(weiter lesen in: Psychologie heute 7/2025)

Copyright © 2026 . Alle Rechte vorbehalten.