So bad it’s freakin’ awesome

Filme wie „Plan 9 from Outer Space“ sind berüchtigt für ihre billige Machart und die schlechten Schauspielerleistungen. Dennoch haben sie eine weltweite Fangemeinde. Warum ist das so?

Wenn es einen Titel für den schlechtesten Film aller Zeiten gäbe, wäre „The Room“ sicher ein heißer Anwärter darauf. Der 2003 unter dem US-Regisseur Tommy Wiseau gedrehte Streifen ist berüchtigt für sein zusammenhangsloses Drehbuch, seine gekünstelten Dialoge, logische Brüche und unterirdische Schauspielerleistungen. Dennoch – oder gerade deshalb – erfreut er sich inzwischen einer großen Fangemeinde. Das Magazin Entertainment Weekly rühmte seinen „so-bad-it’s-freakin’-awesome vibe“, der ihn inzwischen zu einem international erfolgreichen Kultfilm werden ließ.

„Häufig haben solche Filme ein Publikum, das sie sehr bewusst vor dem Hintergrund eines großen kulturellen Wissens konsumiert“, sagt Keyvan Sarkhosh. Der Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt hat vor einigen Jahren eine umfangreiche Studie zu Trash-Filmen durchgeführt. „Darin hat sich gezeigt, dass die meisten eingefleischten Trashfans durchaus ein Bewusstsein für die Minderwertigkeit dieser Werke haben“, sagt Sarkhosh. „Sie betrachten sie durch eine Brille der Ironie, finden in ihnen aber gleichzeitig etwas, das sie intellektuell herausfordert.“

Trash-Filme mögen schlecht gemacht und unlogisch sein, eines sind sie aber in der Regel nicht: berechenbar. Ihre Fans fühlen sich daher meist blendend unterhalten. Sarkhosh sieht an diesem Punkt gewisse Parallelen zum avantgardistischen Kino, das ebenfalls (allerdings absichtlich und bewusst) mit den rezepthaften Erfolgsformeln Hollywoods bricht. Für Sarkhosh ist Trash-Konsum daher auch ein Ausdruck sozialer Abgrenzung. Die Liebhaber dieser Streifen – häufig kulturell gebildete Männer – sehen sich als Connaisseurs: Sie tauschen sich in einschlägigen Foren über Unterschiede zwischen Blaxploitation-Filmen und Trash aus oder diskutieren, ob die Werke des japanische Regisseur Takashi Miike zum Genre zählen oder nicht. Ihr Hintergrundwissen hilft ihnen, die meist sehr billig produzierten Filme in einen künstlerischen Kontext zu setzen und dadurch zu würdigen.

Manche Filmemacher haben diese Zielgruppe inzwischen für sich entdeckt. Die Produktionsfirma „The Asylum“ etwa hat sich auf Trash spezialisiert und generiert mit Titeln wie „Sharknado“ jedes Jahr Millionenumsätze. Eingefleischten Fans ist das Kalkül hinter diesen Blockbustern dagegen suspekt. „Als Tommy Wiseau ‘The Room’ machte, hatte er die besten Absichten und dachte wirklich, dass es ein großartiger Film werde“, schreibt einer von ihnen im Movie-Portal IMDb.com. Sharknado sei dagegen absichtlich schlecht, um damit Geld zu machen; das ruiniere den Genuss.