Der Limes-Effekt

Die Kaiserthermen in Trier sind ein Hinweis auf die römische Geschichte der Stadt (c) Thomas Wolter / pixabay.com

Dort, wo vor Jahrhunderten die Römer herrschten, sind die Deutschen heute ein wenig ausgeglichener und zufriedener. Sind das die Spätfolgen des antiken Weltreichs? Eine Spurensuche.

In einer Szene des Monty-Python-Klassikers »Das Leben des Brian« fragt Reg, Anführer der Untergrundorganisation »Volksfront von Judäa«: »Die Römer haben alles genommen, was wir hatten. Was haben sie dafür als Gegenleistung erbracht?« Was als Auftakt zu einer Hetztirade gegen die verhassten Besatzer gedacht ist, geht nach hinten los. Denn den Freiheitskämpfern in der britischen Komödie von 1979 fällt beim Nachdenken so einiges ein. Fans des Filmes können Regs Resümee noch heute auswendig herbeten: »Also gut. Mal abgesehen von sanitären Einrichtungen, der Medizin, dem Schulwesen, Wein, der öffentlichen Ordnung, der Bewässerung, Straßen, der Wasseraufbereitung und den allgemeinen Krankenkassen: Was, frage ich euch, haben die Römer je für uns getan?« – »Den Frieden gebracht.« – »Ach, Frieden. Halt die Klappe!«

Kein Wunder, dass die Autoren eines 2025 erschienenen Fachaufsatzes am Anfang ihrer Publikation ebenfalls an diesen Filmausschnitt erinnern. Liefert ihre Studie doch Hinweise darauf, dass sich das Erbe des römischen Empires auch in Deutschland keineswegs nur auf Mosaike und Ruinen beschränkt. Wer heute in Gebieten lebt, die lange unter römischer Herrschaft standen, ist demnach im Schnitt zufriedener und ausgeglichener als seine Landsleute im Norden und Osten der Republik – ja, darf sogar erwarten, länger zu leben. Der Wirtschaftspsychologe Martin Obschonka, Professor an der Universität Amsterdam sowie Leiter der Studie, spricht von einem »tiefen Fußabdruck« der römischen Siedlungsgeschichte.

(weiterlesen in: Spektrum Gehirn und Geist)

Einfach verzaubert

Zauberkünstler brauchen mehr als nur schnelle Finger (c) Frank Luerweg

Psychologen haben die Magie als lohnendes Forschungsfeld entdeckt. Ihre Ergebnisse belegen, wie erstaunlich leicht sich das menschliche Gehirn täuschen lässt.

Die Bühne war gut beleuchtet, der Trick lächerlich simpel. Die Zuschauer wussten sogar, was passieren würde. Und dennoch ließen sie sich reihenweise aufs Glatteis führen.

Der Mann, der sie täuschen würde, saß an einem Tisch, vor sich eine Zigarettenschachtel. Er öffnete sie, nahm eine Zigarette und steckte sie sich falsch herum in den Mund. Als er das Feuerzeug hob, um sie anzuzünden, bemerkte er seinen Fehler. Er drehte sie um, wollte sie nun tatsächlich anzünden – doch das Feuerzeug war verschwunden. Nicht nur das: Auch die Zigarette hatte sich vor den Augen des Publikums in Luft aufgelöst!

Viel Applaus bekam der Künstler für seine verblüffende Performance nicht. Was wohl an den Begleitumständen lag: Die Zuschauer waren nur einzeln zugelassen. Und sie trugen während der Show eine Art Stirnband mit einer Kamera, die ihre Augenbewegungen aufzeichnete. Denn die Vorführung war gleichzeitig ein wissenschaftliches Experiment, ersonnen vom Magier selbst.

Der Mann, der die Zigarette verschwinden ließ, heißt Gustav Kuhn. Der ehemalige Zauber-Profi ist inzwischen im Hauptberuf Professor für Kognitionspsychologie. An der Goldsmiths Universität in London geht er der Frage nach, warum unser Gehirn so einfach irrezuführen ist. Antworten darauf erhofft er sich durch eine wissenschaftliche Analyse von Zaubertricks.

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Das Muster der Liebe

Liebespaar (c) dandelion_tea / Pixabay

Blaue Augen, selbstbewusst, kreativ: Viele wissen genau, was ihr Typ ist. Doch woher stammen unsere Vorlieben – und was, wenn sie uns nicht guttun?

Im September 2008 fiel in Deutschland der Startschuss zu einer aufwendigen Langzeitstudie. Die mehr als 12000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden; sie stammten aus sämtlichen Ecken Deutschlands. Jahr für Jahr beantworten sie seitdem einen umfangreichen Fragenkatalog, unter anderem zu ihrer Persönlichkeit. Außerdem geben sie an, ob sie gerade liiert sind. Ihre Partnerin oder ihr Partner wird dann gegebenenfalls gebeten, ebenfalls einen Persönlichkeits-Fragebogen auszufüllen.

Eigentliches Ziel der Studie ist, genauer zu verstehen, wie sich Paarbeziehungen über verschiedene Lebensphasen hinweg entwickeln. Die Sozialpsychologin Yoobin Park von der University of California hat die Daten jedoch zu einem anderen Zweck genutzt: Sie wollte wissen, ob wir uns bei der Partnerwahl immer wieder von denselben Eigenschaften angezogen fühlen. Ob es also so etwas wie einen spezifischen Typ gibt, auf den wir stehen: etwa den sensiblen Künstler, die organisierte Macherin oder den zielstrebigen Sportler, auf die wir uns immer wieder einlassen? Wenn dem so wäre, müssten sich in der Reihe unserer Liebschaften Gemeinsamkeiten feststellen lassen. Und dem scheint tatsächlich so zu sein, wie ihre Untersuchung aus dem Jahr 2019 belegt.

Darin hatte sich die Wissenschaftlerin, die damals an der University of Toronto arbeitete, die Befunde aus Deutschland genauer angeschaut. Viele Teilnehmende waren im Laufe der Jahre mehrere Beziehungen eingegangen. Die Sozialpsychologin untersuchte, wie sehr sich die Persönlichkeitsprofile der Lebensgefährtinnen und -gefährten glichen. Tatsächlich stieß sie bei der Analyse der Fragebögen auf deutliche Übereinstimmungen: Verflossene und aktuelle Partner hatten demnach ein vergleichbares Naturell. So trafen sich Personen, deren Ex kontaktfreudig und freundlich war, aber ständig zu spät kam, nach Bruch der Beziehung tendenziell wieder mit jemandem, der diese Eigenschaften hatte. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir bei der Partnerwahl relativ stabile Vorlieben für bestimmte Wesenszüge haben“, fasst Park zusammen.

(weiter lesen in: Psychologie heute 8/2025)

In Leidenschaft verbunden

Fußballfan (c) Pexels / Pixabay

Fans teilen ihre Passion am liebsten mit anderen. Denn wer Teil eines Fandoms ist, fühlt sich zugehörig, weniger allein – und lebt sogar gesünder

Der Raum wirkt, als würde hier gerade ein Film über das Leben der Oberschicht zu Zeiten von Königin Victoria gedreht: an den Wänden eine bordeaux­rote Tapete mit goldenen Blattornamenten. Auf dem Kaminsims zwei Öllampen; zwischen ­ihnen eine gerahmte Zeichnung, an der eine polierte Meerschaumpfeife lehnt. Direkt gegenüber ein lederbezogener Schaukelstuhl samt Holzbänkchen, der dazu einlädt, die Füße an der Glut zu wärmen.

Der Sekretär an der Wand zeugt von den naturwissenschaftlichen Interessen seines Besitzers: ein Mikroskop mit Messingtubus; auf der Ablage einige Chemikalienfläschchen nebst einer Waage und Fachliteratur. Eine weiße Büste, auf deren Kopf ein feines Linienmuster aufgezeichnet ist, outet den Eigentümer als Anhänger der Phrenologie – der Lehre, dass sich an der Form des Schädels Charakter und Geistesgaben ablesen lassen. Das alles in so sorgfältig arrangierter Unordnung, dass man meinen könnte, der Bewohner sei gerade erst zur Tür herausspaziert.

Doch die Person, zu deren Ehren das Zimmer eingerichtet wurde, hat nie gelebt: Das detailverliebte Still­leben ist eine Hommage an Sherlock Holmes. „Es ist die Nachbildung seines Wohnzimmers“, erklärt Silvia Glücklich, während sie ein Foto der Einrichtung zeigt. „Wir haben bei uns zu Hause einen ungenutzten Raum exakt so dekoriert, wie es im Sherlock-Holmes-Kanon beschrieben ist – nur für uns, als Liebhaberei.“ Der Kanon: So nennen Fans des Meisterdetektivs die 60 Geschichten aus der Feder Arthur Conan Doyles, welche die bis heute ungebrochene Popularität seines Helden begründeten.

(weiter lesen in: Psychologie heute 7/2025)

Sind die anderen Paare glücklicher? Passen wir noch zusammen?

streitendes Paar

Und: Streiten nur wir so viel? Warum Zweifel an der Liebe normal sind und wie wir Klarheit gewinnen.

Seit neun Jahren sind Céline und Jesse nun ein Paar. Sie sind sich immer noch nahe, doch unter der Oberfläche brodeln Pro­bleme: die Angst, für den anderen nicht mehr attraktiv zu sein; das Gefühl, dass die Aufgaben ungerecht verteilt sind; die Sorge, sich in den Zwängen des Alltags aufzureiben und sich dabei voneinander zu entfernen.

Eine gemeinsame Liebesnacht in einem romantischen Hotel soll Abhilfe schaffen. Stattdessen kommt es zum Eklat. „Was machen wir hier überhaupt? Das ist mir alles viel zu durchgeplant“, sagt Céline. „Ja, es gibt keinen Raum für Spontaneität mehr, die ist vollkommen aus unserem Leben verschwunden. Und das ist beknackt und kann nicht funktionie­ren.“ Und sie dann später: „Weißt du, was hier abläuft? Es ist ganz einfach – ich glaube nicht, dass ich dich noch liebe.“

Der US-Regisseur Richard Linklater hat mit der Kamera einen Tag im Leben zweier Menschen festgehalten, zwischen denen die Zweifel wachsen: Reicht das, was wir füreinander empfinden, um weiter zusammenzuleben, trotz mancher Verletzungen und Enttäuschungen? Ist unsere Beziehung die Opfer wert, die wir für sie bringen müssen? Als sein Film Before Midnight 2013 in die Kinosäle kam, wurde er von der Kritik als Meisterwerk gefeiert. Einerseits wegen der hervorragenden Schauspielleistungen von Julie Delpy und Ethan Hawke. Andererseits aber auch, weil seine Botschaft einen Nerv trifft: Zusammenzukommen ist einfach. Zusammenzubleiben ist schwer.

(weiter lesen in: Psychologie heute 11/2024)

Schlafendes Gehirn nutzt Triple-Metronom, um zu lernen

Im Gehirn arbeiten verschiedene Taktgeber Hand in Hand (c) Sebastiano Rizzardo /Pixabay

Mechanismus ermöglicht es Hirnzellen, gemeinsam zu feuern, zeigt Studie der Universitäten Oxford und Bonn

Im Schlaf verfestigen sich die Erinnerungen an das, was wir tagsüber erlebt haben: Sie werden aus einem temporären Speicher ins Langzeitgedächtnis verfrachtet. Damit das klappt, müssen sich Neuronen in verschiedenen Teilen des Gehirns synchronisieren. Dazu nutzt unser Denkorgan eine Art „Super-Metronom“ aus drei verschiedenen Taktgebern. Wie diese zusammenarbeiten, zeigt eine aktuelle Studie der Universitäten Oxford und Bonn. Die Ergebnisse sind nun in der Zeitschrift Nature Neuroscience erschienen.

Auch in der Quantenwelt gilt ein Tempolimit

Kellner trägt ein Tablett mit Sekt (c) v.ivash/Freepik

Studie der Universität Bonn ermittelt minimale Zeit für komplexe Quanten-Operationen

Auch in der Welt der kleinsten Teilchen mit ihren besonderen Regeln können die Dinge nicht unendlich schnell ablaufen. Physiker der Universität Bonn haben nun gezeigt, welches Tempolimit für komplexe Quantenoperationen gilt. An der Studie waren auch Wissenschaftler vom US-amerikanischen MIT, den Universitäten Hamburg, Köln und Padua sowie dem Forschungszentrum Jülich beteiligt. Die Ergebnisse sind unter anderem für die Realisierung von Quantencomputern wichtig. Sie erscheinen in der renommierten Fachzeitschrift Physical Review X.

Forscher konstruieren pulsierenden Nanomotor

An der Universität Bonn entwickelte Maschine misst nur einen zehntausendstel Millimeter

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Federführung der Universität Bonn hat einen neuartigen Nanomotor entwickelt. Er wird durch einen cleveren Mechanismus angetrieben und vollführt dabei pulsierende Bewegungen. Die Forscher planen nun, ihn mit einer Kupplung zu versehen und in komplexere Maschinen als Antrieb einzubauen. Ihre Ergebnisse erscheinen in der Zeitschrift Nature Nanotechnology.

Was man von Pac-Man-spielenden Computern lernen kann

Studie der Universität Augsburg zeigt, welche Informationen Anwendern helfen, die Qualität selbstlernender Algorithmen zu beurteilen

Selbstlernende Computerprogramme können heute enorm viel: das Wetter vorhersagen, Tumoren in Röntgenbildern entdecken, besser Schach spielen als jeder Mensch. Wie die Algorithmen ihre Schlüsse ziehen, wissen oft aber nicht einmal diejenigen, die sie programmiert haben. Forschende der Universität Augsburg und des Israel Institute of Technology (Technion) haben nun zwei Ansätze verglichen, diese „Blackbox“ etwas aufzuhellen. Die Studie zeigt, welche Informationen Anwendern helfen, die Qualität künstlich-intelligenter Verfahren zu beurteilen. Sie ist in der Zeitschrift Artificial Intelligence erschienen, einer der international renommiertesten Fachzeitschriften in der KI-Forschung.

Nervenzellen erkennen kleine Mengen besser als große

Studie der Universitäten Tübingen und Bonn findet Hinweise auf zwei getrennte Verarbeitungs-mechanismen

Wenn vor uns zwei, drei oder vier Äpfel liegen, erkennen wir ihre Anzahl sehr rasch. Sind es dagegen fünf oder mehr, benötigen wir deutlich länger und liegen häufiger daneben. Tatsächlich erfasst das Gehirn kleine Mengen wohl anders als große. Das belegt eine aktuelle Studie der Universität Tübingen und des Universitätsklinikums Bonn. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift Nature Human Behaviour erschienen.

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