Ich mag dich!

Manche Menschen sind uns auf Anhieb sympathisch (c) Ivana Cajina/Unsplash

Manche Menschen sind uns auf Anhieb sympathisch. Andere können wir einfach nicht ausstehen. Psychologische Experimente zeigen, wie wir in Sekundenschnelle über Fremde urteilen und wovon wir uns dabei beeinflussen lassen.

Auf dem Bildschirm ist das Gesicht eines Mannes zu sehen. Er blickt direkt in die Kamera; sein Schädel vor dem schwarzen Hintergrund ist kahl. Ein Mausklick, und seine Züge beginnen sich zu wandeln: Sein Kopf wird schmaler, seine Haut bräunlicher, seine Augen werden größer. Sein Doppelkinn-Ansatz beginnt zu schwinden; seine Mundwinkel heben sich. Nach viereinhalb Sekunden ist die Metamorphose komplett. Das Antlitz, das dem Betrachter nun vom Display entgegenlächelt, ist überaus sympathisch: ein netter Kerl, mit dem man gerne mal ein Bier trinken gehen würde.

Doch jetzt verändert sich das Gesicht abermals; zunächst zurück zum Ausgangsbild, dann darüber hinaus: Der Schädel geht in die Breite, das Doppelkinn wächst, die kleinen Augen mit den immer verwaschener wirkenden Pupillen rücken näher aneinander. Sukzessive entsteht so die Visage einer Person, die wohl die wenigsten auf Anhieb mögen würden.

(erschienen auf Spektrum.de)

Treibstoff für die grauen Zellen

Musiker sind oft intelligenter und akademisch erfolgreicher als Nicht-Musiker. Doch was davon auf musikalisches Training zurückzuführen ist, ist umstritten.

Hochkonzentriert steht Milea Henning hinter der Marimba, die Augen halb geschlossen. In jeder Hand hält sie zwei lange Schlägel, mit denen sie nun rhythmisch die hölzernen Klangstäbe des Instruments anschlägt – mal so schnell, dass man ihren Bewegungen kaum folgen kann, dann langsam und verhalten, am Schluss fast unhörbar. Von klein auf macht die 17-Jährige aus dem westfälischen Lüdinghausen Musik. Inzwischen ist sie Studentin für Schlagzeug in der Jugendakademie der Musikhochschule Münster; bei Wettbewerben wie Jugend musiziert heimst sie regelmäßig Preise ein. Zwei Stunden versucht sie täglich zu üben, neben Schule und Studium. Ihre Noten leiden dennoch nicht darunter: „Zum Glück bin ich schulisch gut dabei“, sagt sie.

Damit steht sie nicht allein – viele Musikerinnen und Musiker tun sich auch in Bereichen hervor, die mit ihrer Leidenschaft auf den ersten Blick wenig zu tun haben: Sie können besser lesen als Gleichaltrige und haben einen größeren Wortschatz. Sie prägen sich schneller Melodien ein oder auch Geschichten, die ihnen erzählt wurden. Ihnen fällt es leichter, geometrische Figuren im Geist zu drehen oder komplexe Zeichnungen zu kopieren. Sie sind zudem im Schnitt intelligenter als Nicht-Musiker – ein Unterschied, der umso größer wird, je länger und intensiver ihre musikalische Ausbildung war. Für die Genfer Neurowissenschaftlerin Ewa Miendlarzewska und ihre Kollegin Wiebke Trost liegen angesichts solcher Befunde die Konsequenzen auf der Hand: „Die Empfehlung für Eltern und Erzieher ist daher klar: Fördern Sie die Instrumental-Ausbildung in der frühen Kindheit, weil daraus lebenslange Vorteile resultieren können.“

Der kanadische Psychologe Glenn Schellenberg hat für diesen Tipp nur ein Wort übrig: „Bullshit!“ Seiner Meinung nach ziehen viele seiner Kolleginnen und Kollegen zu weitreichende Schlüsse aus ihren Befunden. Beispiel Intelligenz: „Es stimmt zwar, dass Musiker oft einen höheren IQ haben“, sagt er. „Der Grund dafür ist aber, dass schlauere Kinder häufiger Musikstunden nehmen.“ Schellenberg hat in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert, dass ein großer Teil der heutigen Studien keine endgültige Aussage über Ursache und Wirkung erlaubt. Dass Wissenschaftler auf dieser Basis dennoch immer wieder die segensreichen Wirkungen von Musikunterricht propagieren, überrascht ihn: „Ich glaube, dass sie ganz einfach möchten, dass es wahr ist“, sagt er.

(erschienen in Spektrum Gehirn & Geist)

Die Macht der Daten

Gesichtserkennung (c) Pixabay

Unsere Daten sind zu einer begehrten Ressource geworden. Rund um den Globus arbeiten Wissenschaftler und Unternehmen daran, diesen Schatz zu heben.

Sie hat durch einen Trichter in einen schmalen Plastikbecher gespuckt, bis knapp über den Eichstrich, um ganz sicher zu gehen. Sie hat den Deckel aufgeschraubt und kontrolliert, ob die Stabilisierungsflüssigkeit freigesetzt wurde. Sie hat den Becher die vorgeschriebenen fünf Sekunden geschüttelt und danach fein säuberlich verpackt. Dann hat sie ihn zur Post gebracht.

Gut zwei Monate ist das her. Einige Wochen später erhielt Katherine Kenny (Name geändert) eine Mail der Firma Ancestry: Das Ergebnis ihres Gentests sei da; „we’re so excited for you“. Dazu ein Link zu ihrem Account. „Ein aufregender Moment“, erinnert sich die gebürtige Irin, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt. „Ich war gespannt zu erfahren, was meine DNA über meine Herkunft verrät.“ …

(erschienen in Bild der Wissenschaft)